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Aufrecht gehn, den Himmel sehn

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6. Dezember

Namenstag des Heiligen Nikolaus, Metropolit v. Myra

Der Sieger über das/aus dem Volk (griech.)

 

* um 280/286 in Patara

† zwischen 345 und 351

Um den heiligen Nikolaus ranken sich viele wundersame Geschichte. Durch heimliches Verteilen seines Vermögens verhinderte er, dass arme Väter ihre Töchter zur Prostitution hergeben mussten. Ebenso rettete er in Seenot Geratene im Sturm, Gefangene vor der Enthauptung und erbat sich von römischen Schiffsladungen je hundert Scheffel Getreide, ohne dass den römischen Schiffen später Ladung fehlte. Mit dem Saatgut stillte er eine schwere Hungersnot.

 

Im Jahr 325 n. Chr. war Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa beteiligt.

 

Nikolaus ist u.a. der Schutzheilige der Kinder, aller Schiffsleute, aber auch der Richter und der Weinhändler. 

Der Nikolaus macht den Sack wieder zu

 

Sven ist Student für Volkswirtschaft und weil es wieder einmal Dezember ist, hat er sich erneut als studentische Hilfskraft bei der Arbeitsagentur gemeldet. Seit drei Jahren ist er schon in der Rolle des Heiligen Nikolaus unterwegs und irgendwie findet er es ganz witzig, für Kindergärten, Schulen und Privathaushalte in das bischöfliche Gewand zu schlüpfen, sich einen weißen Rauschebart umzubinden und sich ein paar Tage lang mit dem Jutesack abzuschleppen. 

 

Sven tut das gerne, weil ihn das an eigene Besuche des heiligen Mannes erinnert. Er weiß noch gut, wie es war, wenn bei ihm zuhause ein freund der Eltern das goldene Buch aufschlug, während Sven ein wenig unsicher neben dem Sofa stand und den Bischofsstab festhalten durfte. Der hölzerne Stab wackelte immer ein wenig, weil er als Junge so fürchterlich aufgeregt war, ob der Nikolaus wirklich davon wusste, dass er erst neulich die Plätzchendose geräubert hatte, ohne die Mutter vorher zu fragen. Und wenn es nicht die Keksdose war - irgendein kleines Vergehen gab es eigentlich immer. So war das eben bei kleinen Jungs, die den Schalk im Nacken hatten. In der Gegenwart des Nikolaus kam ihm all das in den Sinn, was an Blödsinn in den letzten Tagen und Wochen auf sein Konto gegangen war. 

Und richtig: Der Nikolaus pickte all die Vergehen heraus, von denen Sven gehofft hatte, dass sie im Verborgenen bleiben würden. Die Ermahnungen nahm er hin, weil er hoffte, dass der Bärtige ihn am Ende wenigstens für sein letztes Diktat oder die Hilfe beim Schneeschippen loben würde. Danach verteilte der Nikolaus seine Gaben an Sven und dessen kleine Schwester und schon verschwand er für ein weiteres Jahr aus ihrem Leben. 

 

Sven hatte rückblickend erkannt, dass die kleinen Ermahnungen des Mannes ihm nicht geschadet hatten und dass ihm sogar die Aufregung über den Besuch des geheimnisvollen Wohltäters ganz gut getan hatte. Das war - neben der nicht allzu schlechten Entlohnung - ein guter Grund, auch als Nikolaus unterwegs zu sein. In diesem Jahr hatte er eine lange Liste von Adressen erhalten. Wenn er die alle abarbeitete, musste er sogar auf ein paar Vorlesungen verzichten. Aber das war ihm die Sache wert. 

 

Das Gewand hatte lange ungelüftet in einer Kammer gehangen und roch muffig und ein wenig nach Mottenpulver. Ebenso der Bart, den er immer in Folie einwickelte, damit die Haare nicht durcheinander gerieten. Aus dem einstigen Haudegen war ein ordentlicher junger Mann geworden und manchmal dachte Sven, dass der Nikolaus daran nicht ganz unschuldig war. 

 

Heute würde er in den Kindergarten in der Nachbarschaft müssen und im Anschluss noch drei Familien besuchen, bei denen er die Kinder - mit zwei Ausnahmen - sogar kannte. Im Kindergarten fiel die Begrüßung überschwänglich aus. Die Kleinen wuselten um ihn herum, fassten an sein Gewand, verhaspelten sich vor lauter Aufregung, wenn er nach ihren Namen fragte und freuten sich über die kleinen Päckchen, die er ihnen gab. Natürlich waren die von den Erzieherinnen sorgsam vorbereitet und ihm bei der Ankunft zugesteckt worden. Nach einem Gedicht, dass die Zwerge ihm gemeinsam aufsagten, sangen sie noch ein Lied, dann war der Auftritt vorbei. Weiter ging es zur nächsten Adresse: Luisenstraße 13, bei Michaelis. Das Kind hieß Kai, las er von seiner Liste ab. Es war vereinbart, dass das Geschenk vor der Tür liegen sollte, damit Sven erst schellte, wenn er alles beisammen hatte. Ebenso würde er eine Aufstellung finden, was er aus seinem goldenen Buch vorlesen sollte. Sven stand vor einem Bungalow und fand dort alles wie verabredet in einer Nische hinter einem Busch. Er packte die Sachen in den Sack, wunderte sich allerdings ein wenig, dass es so viele Päckchen waren, aber das musste man schließlich den Eltern überlassen. Eine Liste mit kindlichen Verfehlungen fand er nicht. Es musste sich um ein nettes Kind handeln, mutmaßte er, schon bevor er den kleinen Kai überhaupt zu Gesicht bekommen hatte. 

Sein Finger ruhte einen Moment über dem Klingelknopf. Er musste sich auf seine Rolle besinnen, damit er überzeugend war. In einer Hand hielt er den Stab, den Sack hatte er geschultert. Dann läutete er.

 

Ein kleiner Blondschopf von etwa sieben Jahren riss die Haustür auf, trat Sven vors Schienbein, ehe er überhaupt guten Tag sagen konnte, schrie           "Hau ab, blöder Nikolaus" und knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Sven stand dort ziemlich verdattert und rieb sich mit der freien Hand den schmerzenden Schenkel. Schon öffnete sich die Tür ein weiteres Mal. Eine elegant gekleidete Frau Mitte vierzig erschien und entschuldigte sich:

      "Sorry, aber der Kleine hat Angst vor Ihnen. Seien Sie also nicht zu streng mit ihm. Er soll seine Geschenke bekommen und keinen seelischen Schaden davontragen." Dann machte sie ihm Platz und ließ ihn eintreten. Sie wies ihm die Richtung in die er gehen sollte. 

Sven trat in ein Wohnzimmer, dass von einem riesigen Flachbildschirm beherrscht wurde. Der Junge lümmelte sich davor auf einer Couchlandschaft, die wahrscheinlich die Grundfläche von Svens WG-Zimmer locker überschritt. In seiner Hand hielt er die Steuerung einer Spielekonsole und über den Bildschirm zischten im Rhythmus seiner Fingerbewegung Blitzlichter aus irgendwelchen Handfeuerwaffen. Mit lauten Schmatzgeräuschen fielen die Protagonisten auf dem Bildschirm tot zu Boden. "Yeah!", schrie der Junge bei jedem Treffer laut.

     "Kai, der Nikolaus ist da und hat dir was mitgebracht." Sven fand den Einstieg in das Gespräch nicht sonderlich gelungen. Und sein Eindruck war auch nicht,  dass Kai Angst vor ihm hatte.

     "Interessiert mich nicht. Der soll abhauen. Ich bin beschäftigt."

Sven wusste, dass man sich seine Auftraggeber nicht aussuchen konnte und so nahm er mit stoischer Ruhe die Nikolausgeschenke aus dem Sack und legte sie auf den Glastisch. Sie befanden sich nun in Reichweite des Jungen, der sie mit einer Handbewegung vom Tisch fegte und aggressiv sagte:

     "Verschwinde, du bist doof!" 

     "Nun, dann wird der Nikolaus die Geschenke wieder mitnehmen!", erklärte die Mutter. 

     "Mir egal. Ist eh alles blöd." und mit einem weiteren Knopfdruck ließ er neuerlich jemanden über die virtuelle Klinge springen. 

     "Sie hören ja, was er sagt", konnte Sven kaum glauben, was die Frau des Hauses erwiderte. "Packen Sie das Zeug ein und verschwinden Sie. Das hat hier eh keinen Wert." Und ehe Sven noch lange überlegen konnte, bückte sie sich, nahm die Päckchen vom Boden auf und blickte ihn fordernd an, bis er den Sack aufhielt. Sie warf alles hinein und schob ihn aus dem Raum.

     "Die Rechnung ist ja bezahlt. Keine Sorge, ich werde Sie nicht bei der Arbeitsagentur melden, weil Sie sich in Ihrer Rolle als unfähig erwiesen haben. Das Zeug können Sie draußen im Container entsorgen", wies sie auf den Jutesack, "dann sind sie wenigstens zu etwas nütze." Hinter Sven schloss sich die Tür mit einem nachdrücklichen Knall.

 

     Da stand er nun, der gescheiterte Nikolaus und zweifelte tatsächlich an sich selbst, dass er dem Jungen nicht einen Hauch von Respekt hatte einflößen können. Langsam ging er zu seinem Wagen und kam vor einem kleinen Jungen zum Stehen, der ehrfurchtsvoll zu ihm aufsah. 

     "Bist du der echte Nikolaus?"

     "Wonach sieht es denn aus?", fragte Sven frustriert und hob sein Gewand ein wenig an.

"Ziemlich echt", sagte der Kleine leise. "Ich hätte nie gedacht, dass ich dich mal treffe. Ich dachte, du besuchst immer nur die anderen", und zeigte auf den Bungalow.

     "Wohnst du denn nicht hier?" Sven war jetzt langsam aus seiner Verärgerung aufgetaucht. Schließlich konnte der Junge vor ihm nichts für das Exemplar, auf das er gerade getroffen war. 

     "Nein, ich wohn da hinten im Hochhaus."

     "Und dann läufst du alleine hier herum? Das ist doch ganz schön weit weg von zu Hause." Sven konnte das genannte Hochhaus gerade soeben noch im herbstlichen Dunst erkennen.

     "Ich muss für meine Mama noch was wegbringen. Die ist krank und kann nicht selber gehen."

     "Dann solltest du dich beeilen, es wird langsam dunkel."

     "Ich trau mich nicht, bei Kai zu schellen. Das hier" - er hielt ein Päckchen hoch - "ist für seine Mutter. Aber Kai tritt immer alle vors Schienbein, die bei ihm schellen." 

     "Ich weiß", sagte der Nikolaus und rieb sich das Schienbein.

     "Sag bloß, er hat dich auch getreten?"

     "Und ob. Pass auf, ich hab eine Idee: Du passt auf den Sack auf und ich gebe dein Paket ab." 

     "Ehrlich?", fragte der Junge.

     "Ehrlich!"", erwiderte Sven, nahm das Paket und ging zum Bungalow zurück. Er klingelte und hielt eine Art Sicherheitsabstand. So lang waren die Beine von Kai schließlich auch noch nicht. Der riss die Tür auf und Sven drückte ihm ohne ein Wort das Paket in die Hand, drehte sich um und ging auf den Bürgersteig zurück. 

     "So, das war's. Erledigt!"

     "Ja, aber du hast das Trinkgeld nicht abgewartet, stimmt's? Das ist mein einziges Taschengeld."

     "Tut mir leid, davon hast du nichts gesagt", entschuldigte sich Sven.           "Aber warte, ich habe eine bessere Idee. Du bekommst alle Päckchen, die noch in meinem Jutesack drin sind."

     "Alle?", staunte der Kleine.

     "Ja, warum nicht. Du hast sie dir verdient, finde ich. Schließlich hilfst du deiner Mutter und scheinst auch sonst ein ganz netter Kerl zu sein."

     "Steht das in deinem goldenen Buch?", wollte der Junge wissen. 

     "Bestimmt. Aber dazu muss ich deinen Namen kennen." Sven war wieder ganz in seiner Rolle angekommen.

     "Noah heiße ich, Noah Winter."

     "Warte mal.... Noah, hier hab ich dich." Sven blätterte in dem Buch und begann, einen imaginären Text vorzulesen: "Hier steht, du bist ein ganz lieber Junge, der seiner Mutter keinen Ärger macht und immer tut, was sie ihm sagt. Das ist ja fast unheimlich", grinste Sven den Jungen an.

     "Na ja, immer...?" Auch Noah schien nicht überzeugt von seinen eigenen guten Taten.

     "Jedenfalls hast du dir die Päckchen verdient, Noah. Nimm alles mit nach Hause und wenn deine Mutter nicht sicher ist, ob das Rechtens ist, gib ihr diese Karte. Sie soll anrufen und nachfragen."

     "Du hast ein Telefon, Nikolaus?"

     "Nein, ich nicht, aber mein guter Freund Sven. Der weiß über alles Bescheid. Er sorgt auch immer dafür, dass in meinem goldenen Buch die richtigen Angaben stehen. Und nun lauf nach Hause, es wird schnell dunkel."

     "Danke Nikolaus!"

     "Bitte, Noah! Und mach es gut."

     "Ja, du auch." Noah ging rückwärts und winkte dem Nikolaus zu, bis sie sich aus den Augen verloren. Jetzt wusste Sven auch wieder, warum er so gerne als Nikolaus unterwegs war. Gut, dass er Noah getroffen hatte. 

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Kommentare: 2
  • #2

    Johanna (Samstag, 07 Dezember 2019 20:07)

    Eine wirklich schöne Geschichte.
    Da kann man mal sehen, wozu unterschiedliche Erziehungen führen können.

  • #1

    Enya (Freitag, 06 Dezember 2019 09:44)

    Ich finde es toll, wie du immer eine passende Geschichte kreierst, die zu dem jeweiligen Namenstag passt.

    Kai kann einem eigentlich leidtun, er ist ja nicht von Natur aus so, sondern wurde zu dem gemacht. Glücklich ist er bestimmt nicht.
    Für Sven war es sicher ein frustrierendes Erlebnis, wie gut, dass er Noah noch getroffen hat.
    Einen schönen Nikolaustag
    Enya