2016 erschien mein Fantasy-Roman "Das Feentuch" Wer wissen will, was im fernen Schottland geschieht, findet das Buch beim Klick auf das Bild bei Amazon für 12,99 €

Auch alle E-Book-Leser können  "Das Feentuch" herunterladen.:  

Selbstverständlich gibt es mit der "Blick-ins-Buch-Funktion" eine Leseprobe. Also auf ins magische Schottland!

Aufrecht gehn, den Himmel sehn

Neben meinen Büchern, die durchweg in der Unterhal-tungslektüre ihren Platz haben, ist ein biblisches Musical für Kinder ab sechs Jahre in Chor-und Theatergruppen erschienen. In diesem Buch befinden sich Lieder, Sprechtexte und Notenmaterial für eine 30-minütige Aufführung.  In sechs Szenenbildern und ebenso vielen Liedern begegnen die Kinder Sarah, deren Blick auf den Boden gewandt ist und die an dieser Last schwer trägt. Und sie erfahren, was geschieht als Jesus in Sarahs Leben tritt... Das Buch im lese- und musikerfreund-lichen Großformat ist bei Amazon erhältlich.

24. Dezember - Heiligabend

Adam, Ur­va­ter der Mensch­heit

Der Mann aus Erde / der Mensch (hebr.)

 

* (nach jü­di­scher Zeit­rech­nung:) 13. Ok­to­ber 3761 v. Chr.

† (nach jü­di­scher Zeit­rech­nung:) 2831 v. Chr.

 

Eva,Ur­mut­ter der Mensch­heit

Die Leben Schen­ken­de (hebr.)

 

* (nach jü­di­scher Zeit­rech­nung:) um 3751 v. Chr.

† (nach jü­di­scher Zeit­rech­nung:) 2831 v. Chr.

Eva und Adam sind lt. dem Schöpfungsbericht die Stammeltern der Menschheit. Nachdem Adam von Gott aus Lehm und Eva aus dessen Rippe als Partnerin geschaffen worden war, lebten sie gemeinsam im Paradies. Durch den Verzehr des Apfels vom Baum der Erkenntnis wurden sie aus dem Paradies vertrieben, bekamen gemeinsam zunächst die Kinder Kain und Abel, später noch weitere Söhne und Töchter. 

 

Nach der Schrift starb Eva sechs Tage nach Adam.

Beide gelten als Patrone der Gärtner, weil sie im Paradiesgarten lebten, Eva ist darüber hinaus Patronin der Schneider, weil sie ihre und Adams Blöße mit dem Feigenblatt bedeckte. 

Heute am Heiligen Abend finden Sie eine augenzwinkernde Geschichte über Adams Entstehung in einer Variante am Puls der heutigen Zeit. Die Quintessenz lautet auch hier: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Was da wirklich Fantasie bleibt oder schon längst möglich wäre in der modernen Wissenschaft, bleibt offen. Und ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen heute ein Lächeln aufs Gesicht zaubern könnte, denn schließlich heißt es ja: Fröhliche Weihnachten!

Wo ist Adam?

 

Clara hatte in der Illustrierten davon gelesen: Endlich war es amerikanischen Wissenschaftlern gelungen aus der Rippe einer jungen Frau einen Mann zu züchten, der den Ansprüchen der Probandin mehr als gerecht wurde. Durch ein spezielles Verfahren – einer besonderen Art der Wachstumsbeschleunigung männlicher Zellen – war es den Forschern geglückt, das perfekte männliche Pendant dieser Frau zu erstellen. Eine revolutionäre Entwicklung die alle Heiratsinstitute der Welt überflüssig machen würde.

Das war der große Augenblick, den Clara seit langer Zeit herbeigesehnt hatte. All ihre Versuche, den Mann fürs Leben zu finden, waren kläglich gescheitert. Dieser Artikel schien ihr wie ein Wink des Schicksals und Antwort auf all ihre Fragen zu sein. Da kam es wie gerufen, dass in dem Artikel eine Kontaktadresse vermerkt war. Die Wissenschaftler waren auf der dringenden Suche nach Versuchspersonen, da erst wenige Frauen das Risiko einer Rippenentnahme eingehen wollten. Umgehend hängte sich Clara an die Strippe und versuchte im fernen Amerika jemanden zu erreichen. Beim dritten Klingeln hatte sie Erfolg.

„Clara Hansen hier!“, rief sie laut und aufgeregt in die Sprechmuschel, als müsse sie ohne Telefon den weiten Weg über den großen Teich überbrücken. Man ahnte, dass der Gesprächspartner den Hörer vom Ohr riss. Seine die Antwort kam von weither und klang wie durch Watte gesprochen.

     „Institut für Zellteilung, Labor 5, Abteilung Adam“, erklang die Antwort. Beruhigt, den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben, wurde Claras Stimme leiser.

     „Ich rufe wegen eines Artikels in einer deutschen Frauenzeitschrift an“, sagte sie geschäftsmäßig. „Es geht um eine Rippenentnahme. Wie lange muss man auf einen OP-Termin warten?“ Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie so lange auf der Suche nach einem geeigneten Partner war, dass es auf ein paar Wochen nicht ankommen würde. Hauptsache das Warten führte sie endlich zum Ziel.

„Sie sind die erste Interessentin“, sagte der Mann am anderen Ende. „Wie gut, dass ich die Zeitung direkt zum Erscheinungstermin am Kiosk kaufe“, dachte Clara erleichtert.

„Ich habe gerade eine Zeitlang frei“, schwindelte sie. Für ihren Chef  würde sich die passende Antwort finden, warum sie sofort ihren Jahresurlaub benötigte. Tante Luise würde als Ausrede herhalten müssen.

 

    „Wenn Sie wollen, können Sie umgehend einen Flug buchen. Das sind im Übrigen die einzigen Kosten, die Ihnen entstehen, da das Versuchsprogramm finanziell von der Adam Labor AG getragen wird, ebenso wie Verpflegung und Unterkunft während Ihres Aufenthaltes“, erklärte der Mann, als habe er Claras nächste Frage erraten.

     „Das kommt mir entgegen“, sagte Clara, die im Geiste ihre letzten Kröten zusammengerechnet hatte um zu sehen, wie weit das Ersparte reichen würde.

     „Im Gegenzug sind Sie für alle Folgekosten verantwortlich, die durch Ihr Modell entstehen. Und es besteht kein Rückgaberecht!“, fügte der Mann eindringlich hinzu.

     „Das ist kein Hindernis. Kann ich Ihnen meinen Ankunftstermin faxen, wenn ich mit dem Reisebüro gesprochen habe?“, fragte Clara.

     „Wir werden alles für Ihren Aufenthalt vorbereiten und ich schicke ihnen noch heute die Unterlagen. Sie teilen mir mit dem Ankunftsdatum bitte noch alle erforderlichen medizinischen Daten mit?“, bat der Gesprächspartner.

     „Sie erhalten die Sachen, sobald ich den Flug gebucht habe“, sagte Clara, erleichtert, dass alles ohne Hindernis vonstatten gegangen war. Einfacher hätte die Angelegenheit nicht sein können. Sie hatte sich an letzter Stelle einer endlosen Warteliste gesehen, wie es in  ihrem Leben üblicherweise abzulaufen pflegte.

     „Dann sehen wir uns bald“, schloss der Mann am anderen Ende.

     „Entschuldigung“, unterbrach Clara ihn noch. „Mit wem habe ich gesprochen? Könnten Sie mir bitte Ihren Namen nennen?“                 

     „Selbstverständlich. Mein Name ist Lord. Professor Peter Lord!“, klang es aus dem Hörer. Bis bald in Amerika.“ Ein verhaltenes Klicken zeigte ihr, dass der Gesprächspartner eingehängt hatte.

 

     Clara wählte die Nummer des Reisebüros. Nach erfolgreicher Suche nach einem freien Platz bei American Airlines, konnte Clara frei aufatmen. Ein Kunde hatte vor wenigen Minuten seinen Flug 133 für den kommenden Vormittag storniert. Clara hatte nicht vor, erst großartig Preise zu vergleichen. Sie griff zu und buchte den freigewordenen Platz auf der 7.22 Uhr - Maschine des nächsten Tages. Clara beendete das Gespräch und wählte die Privatnummer ihres Chefs.

     „Carstens“, klang es am anderen Ende.

     „Hansen“, erwiderte Clara ebenso kurz und bündig. „Herr Carstens, ich brauche dringend meinen Jahresurlaub. Meine Tante Luise in Hamburg ist schwer erkrankt. Da ich die einzige Angehörige bin, muss ich eine Weile zu ihr fahren und mich um sie kümmern. Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen einzuwenden?“, schob Clara direkt hinterher, ein bisschen bedauernd, dass sie ihren Chef schamlos belogen hatte. Eigentlich war er ein netter Kerl. Aber nichts sollte sie jetzt noch an ihrer Amerikareise hindern.

     „Nein, Frau Hansen! Es wird zwar nicht leicht sein, auf die Schnelle für Ersatz zu sorgen, doch lassen Sie das meine Sorge sein. Kümmern Sie sich in Ruhe um Ihre Tante. Ich hoffe, sie wird schnell gesund. Und grüßen Sie die alte Dame unbekannterweise von mir“, schloss er nonchalant.

     „Das werde ich tun. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Ich melde mich, sobald ich weiß, wie lange ich gebraucht werde!“ Die Zeit nach der Rippenentnahme würde Sie benötigen um eine plausible Ausrede zu ersinnen, warum sie einen Mann aus Hamburg mitbrachte, von dem vorher niemand gehört hatte.

     “Bis bald, Herr Carstens!“

     „Alles Gute, Frau Hansen!“

 

Clara überprüfte die Gültigkeit des Reisepasses und forderte online ein Kurzvisum an. Sie bat die Nachbarin, sich um Post und Blumen zu kümmern und tischte ihr ebenfalls die Geschichte der kranken Tante auf. Nun füllte sie die Faxantwort zu Krankengeschichte und Ankunftstermin aus und bestellt sich ein Taxi, das sie am nächsten Morgen früh um 4.30 Uhr abholen sollte. Später ließ sie sich Pizza ins Haus liefern und begann, ihre Koffer zu packen. L.A. war wärmer als Düsseldorf. Sie wählte ihre Garderobe mit Bedacht. Der Professor sollte nicht glauben, sie sei ein europäisches Mauerblümchen und der Überseewissenschaftler ihre letzte Rettung. Nach zehn hatte Clara alles erledigt und stellte den Wecker auf drei Uhr früh. Morgen würde ihr der Jetlag zu schaffen machen. Nach der OP hoffte sie ausreichend Gelegenheit zu finden, sich auszuruhen. Es würde ihre letzte Nacht in Deutschland sein, die sie ohne Mann an ihrer Seite zu verbringen gedachte.

 

     Am frühen Abend erreichte Clara Los Angeles. An der Gepäckausgabe sah sie einen jungen Mann, der ein Schild mit der Aufschrift „Frau Hansen“ suchend in alle Richtungen hielt. Sie war froh, mit seiner Hilfe diesem unübersichtlichen Getümmel zu entkommen. Eine Limousine brachte sie in die Außenbezirke der Millionenstadt, zu einem weißen Gebäude, das weder wie ein Labor, noch wie eine Klinik wirkte. Beim Aussteigen reichte der Mann Clara die Hand und trug ihr Gepäck in die Klinik.

     „Ich dachte nicht, dass Amerikaner so höflich sind“, war ihr einziger Gedanke, den sie in der aufkeimenden Erregung fassen konnte. Man erwartete Clara. Eine Gruppe weißbekittelter Wissenschaftler eilte auf sie zu – allen voran ein junger, gutaussehender Mann, der sich als Professor Peter Lord vorstellte.

     „Ihre medizinischen Angaben, die Sie uns zugefaxt haben, entsprechen voll und ganz unseren Voraussetzungen“, lobte er sie überschwänglich, als hätte sie selbst ihre gute Gesundheit zu verantworten. „Nach einigen Voruntersuchungen steht einer Knochenentnahme nichts mehr im Weg.“

     „Es freut mich, dass Sie mit mir zufrieden sind“, erklärte Clara etwas sarkastisch. „Kann ich Ihren Prototypen sehen?“, fragte Sie rundheraus, die wachsende Aufregung kaum noch unterdrückend.

     „Leider nicht im Original, er ist bereits abgereist. Mit seiner Frau natürlich.“ Nur kurz wunderte sich Clara über die Erläuterung des Professors.

     „Sie sehen ihn auf dieser Schautafel!“, führte er sie zu einem großen Bild, das mit der Überschrift „Adam I“ versehen und unweit des Eingangs aufgestellt war. Sie sah einen gutaussehenden Mann neben einer ebenso ansehnlichen Frau. Beider Gesichtszüge wiesen kleine Parallelen auf. Identisch waren ihre Züge aber nicht. Es gab Paare, die nach langer Ehe größere Ähnlichkeit aufwiesen. Das Bild wischte Claras letzte Zweifel beiseite.

     „Lassen Sie uns anfangen“, sagte sie zum Ärzteteam, das abwartend im Hintergrund geblieben war. Die Voruntersuchungen nahmen nicht viel Zeit in Anspruch. Als Trägermaterial für ihre Rippe dienten laut Erklärung synthetisch hergestellte Körperzellen, die sich als extrem anpassungsfähig erwiesen hatten. Nach wenigen Stunden wurde der Operationstermin auf den kommenden Vormittag festgesetzt. Clara bezog ihr Klinikzimmer und legte sich erschöpft zu Bett. Die überstürzte Abreise und die Aufregung hatten sie mehr geschlaucht, als sie sich eingestehen wollte. Kurz darauf war sie eingeschlafen und verbrachte eine traumlose und erholsame Nacht.

 

     Am nächsten Tag wurde sie früh von einer Schwester geweckt.

     „Frau Hansen, gleich geht es los“, sagte die Schwester aufmunternd. Das Frühstück müssen Sie leider ausfallen lassen. Auf welcher Seite wird Ihnen die Rippe entnommen?“

     „Rechts“, antwortete Clara einsilbig, da sie vor lauter Nervosität kaum ein Wort herausbrachte. Die Zeit verging wie im Flug und bald wurde sie in den OP gebrachte.

     „Sie werden ruhig schlafen und auch im Anschluss keine großen Schmerzen haben“, hatte Professor Lord versprochen. Als er den Saal betrat, trug sie eine Atemmaske, an der sie nur mit Schwierigkeiten vorbeischielen konnte. Der Professor nickte ihr aufmunternd zu und Claras Zustand wechselte in die Bewusstlosigkeit.

 

     Als Sie erwachte, hauchte sie geschwächt:

     „Wo ist Adam“ und versuchte den Kopf in der liegenden Position hin und her zu drehen.

     „Bleiben Sie ruhig liegen“, bat eine junge Krankenschwester, die neben ihrem Bett Wache hielt.

     „Schon gut“, murmelte Clara und wieder umfing sie tiefer Schlaf, der sie eine ganze Weile gefangen hielt. Beim nächsten Erwachen fühlte sie sich frisch und ausgeruht. Sie bewegte ihre Glieder und verspürte erstaunlicherweise keinerlei Schmerz. Der Professor hatte nicht zu viel versprochen. Offensichtlich hatte ein Schichtwechsel stattgefunden; an ihrem Bett sah sie jetzt ein anderes Gesicht. Dort saß ein Pfleger in Claras Alter und blätterte in ihrer Krankenakte.

     „Wo ist Adam?“, wiederholte Clara ihre Frage. Der Mann stand auf und verbeugte sich formvollendet vor Clara.

     „Hier bin ich, Frau Hansen!“

„Sie sind Adam?“, fragte Clara verblüfft. „Wie lange habe ich geschlafen?“, fragte sie und dachte, dass der Mann ihr gleich bekannt vorgekommen war.

     „Diese Frage beantwortet Ihnen der Herr Professor. Und, sind Sie mit dem Ergebnis des Versuches zufrieden?“, fragte Adam II sogleich und drehte sich wie ein Mannequin auf seinem Platz herum, damit Clara ihn von allen Seiten betrachten konnte.

 

     Der Anblick ließ keine Wünsche offen, konstatierte Clara. Seine Schenkel waren lang und muskulös, sein Bauch flach und aus den Ärmeln des Shirts wagten sich wohlproportionierte Muskeln an Ober – und Unterarmen. Er war schlicht gekleidet, und zog doch ihren Blick magnetisch an. Hautenge Jeans und das weiße Shirt, das am Hals leicht geöffnet war, betonten seine sportliche Erscheinung. Sein dunkles Haar hatte einen ähnlichen Farbton wie Claras, aber es glänzte wie neu. „Er hat es ja noch nicht lange“, dachte Clara. Die Augen waren von einem tieferen Blau als ihre und die Gesichtszüge hatten, neben der genannten Ähnlichkeit, einen exotischen Einschlag.

     Clara musste schlucken, bevor sie antworten konnte:

     „Ich bin ganz zufrieden! Wie geht die Sache jetzt weiter?“, fügte sie neugierig hinzu. Nebenbei fiel ihr endlich auf, dass Adam II die deutsche Sprache wie selbstverständlich beherrschte. Keinerlei Akzent trübte ihre Konversation. Der Professor und sein Team hatten ganze Arbeit geleistet.

Da öffnete sich die Zimmertür und der Wissenschaftler betrat den Raum      „Wie ich sehe, haben Sie bereits Bekanntschaft geschlossen. Adam II scheint uns noch besser gelungen zu sein, als der Versuchsprototyp Ihrer Vorgängerin!“

     „Ich bin von dem Ergebnis sehr angetan. Im Übrigen fühle ich mich körperlich ausgesprochen gut. Von der OP spüre ich überhaupt nichts!“, antwortete Clara dem Professor sichtlich zufrieden.

     „Sie können gleich die ersten Stunden Ihres gemeinsamen Lebens nutzen, Adam einen Teil Ihrer Gewohnheiten beizubringen. Ziehen Sie sich an und erkunden Sie mit ihm die Außenbezirke von L.A.“, schlug der Professor fort. „Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich ein großer Park und nicht weit entfernt finden Sie ein kleines, gemütliches Café. Dort werden Sie die richtige Kennlern-Atmosphäre vorfinden. Ich wünsche Ihnen beiden viel Vergnügen. Wir sehen uns zum Abendessen in der Halle. Im Anschluss wird sich Adam II zu den nötigen Kontrolluntersuchungen in meinem Behandlungszimmer einfinden müssen, einverstanden?“, schloss Professor Lord seine Erklärungen und wandte sich dem Ausgang zu. „Und passen Sie gut auf ihn auf, Frau Hansen. Schließlich kennt er sich in der Welt noch nicht richtig aus“, warf er noch über die Schulter zurück und verließ den Raum.

 

     Bald waren Clara und Adam II im Park unterwegs. Der Professor hatte nicht zu viel versprochen. Es bot sich ein herrlicher Ausblick auf die Wolkenkratzer der Stadt, doch sie konnten zugleich die Natur um sich herum genießen. Sie schlenderten nebeneinander her und Clara erzählte viel über sich. Kunterbunt durcheinander, wie es ihr gerade in den Sinn kam. Am liebsten hätte sie Adams Hand gehalten. Zu neu jedoch war ihr war diese Vertrautheit, als dass sie dessen Hand einfach ergriffen hätte. Die Situation erschien ihr so unwirklich, dass sie an einen Satz aus einem Simmel-Roman denken musste: „Wenn ich das in meinem Club erzähle!“

     Da kam eine Gruppe junger Leute mit Skateboards auf sie zu. Adam II wandte sich an einen der Jugendlichen und fragte wie selbstverständlich auf Englisch: „May I try it?“, und der Angesprochene überließ ihm bereitwillig das Board.

Adam sauste los, als wäre er auf dem Brett festgewachsen und war wenige Sekunden später um die nächste Kurve verschwunden. Wider Erwarten tauchte er nicht mehr auf! Clara rief laut nach ihm und erhielt keine Antwort. „Where are you“, versuchte sie es auf Englisch. Ihre Stimme klang inzwischen panisch. Claras Handflächen wurden feucht. Was, wenn Adam verschwunden blieb? Wie sollte sie dem Professor erklären, dass sie ihn verloren hatte? Und das, wo er vor wenigen Stunden erst fertig geworden war. Der Junge neben ihr schien nicht verwundert oder machte sich Sorgen, dass der Mann ihm sein Skateboard entwendet hatte.

 

     Clara lief bis zur Kurve. Adam blieb unauffindbar. „Vielleicht ist er gestürzt?“, dachte sie laut und sah sich in der Klinik stehen und berichten, dass sie Adam II direkt bei der ersten Gelegenheit kaputt gemacht hatte. Ihre Angst wuchs ins Uferlose.

Sie hatten sich auf Anhieb gemocht. Sie hatte das gespürt. Warum ergriff jeder Mann gleich die Flucht, wenn er mit ihr zusammen war? Da hörte sie das Geräusch der Skateboardrollen auf dem Asphalt hinter sich.

Sie drehte sich hektisch um, da rollte Adam auf sie zu. Unbeschreibliche Erleichterung überkam Clara und sie schloss Adam II ohne zu Überlegen fest in ihre Arme. Der erwiderte die Umarmung, als sei er froh, dass sie sich endlich näher kamen.

 

     Der Jugendliche schnappte sich sein Skateboard und sagte entschuldigend zu Clara: „I don´t know, why they all like it so much. He’s the second. The last one didn’t return! But the board wasn’t new, so it doesn’t really matter.” Damit verschwand er schnell in die Richtung, die seine Freunde zuvor genommen hatten.

Clara begriff, dass der Junge Adam I meinte, der wohl mit seinem Skateboard auf Nimmerwiedersehen verschwunden war. Fest ergriff sie die Hand ihres Adams und schwor sich, diese Zeit ihres gemeinsamen Lebens nicht mehr loszulassen, wenn es nicht erforderlich war. Hand in Hand setzten sie ihren Spaziergang durch den Park fort. Wenn es sein musste, würde sie ihm sogar ein Skateboard kaufen.

Kommentare: 1
  • #1

    Enya (Dienstag, 24 Dezember 2019 09:02)

    Was für eine Geschichte! Ja, ich musste wirklich schmunzeln, obwohl die Vorstellung, dass so etwas möglich wäre, sehr skurril ist. Ein schöner Abschluss dieser Adventskalendertexte, die ich alle sehr genossen habe. Danke.

    Fröhliche und gesegnete Weihnachten.
    Lieben Gruß
    Enya

Und wie immer mein Schlusswort zum Weihnachtsfest:

 

Wundert lieber Leser dich,

dass die Zeit so schnell vergangen?

Ein paar Tage war'n es nur,

folgtest du der Texte Spur.

 

Hat doch grad erst angefangen,

ist mit uns einhergegangen,

der Advent. Auf leisen Sohlen,

hat er sich davongestohlen.

 

Du bekamst in dieser Zeit

hoffentlich Gelegenheit

täglich einmal umzublättern,

zu genießen meine Lettern.

 

Heute jedoch wünsch ich dir

frohe Weihnachtsfestzeit hier.

Mögst vergessen all die Taten,

die nach Neujahr auf dich warten.

 

Danke, dass du, so vereint,

mitgelacht und mitgeweint.

Und wenn's klappt im nächsten Jahr

ist der Kalender wieder da.

 

Bleib mir treu, besuch mich gerne

im Netz, weltweit und aus der Ferne,

schau dir an, was man so treibt,

wenn man ein ganzes Jahr lang schreibt.

Herzlich bist du mir willkommen

unter www.anjaollmert.jimdo.com

Ich verbleibe nun mit Gruß,

weil ich auch mal Weihnacht feiern muss.

Lösungssatz

                                                       
1 2 3 4 5 6   7 8 9   10 11 12   13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

Der Lösungssatz 2019 besteht wie immer aus 24 Buchstaben. Jeden Tag sollten Sie deshalb aus den Texten einen Buchstaben ermitteln, den Sie nun in das Gewinnspiel-Formular eintragen können.

 

Der Gewinn des Kalenders wird in diesem Jahr ein Buch nach der Wahl der Gewinner sein. Die komplette Auswahlliste ist über Amazon einzusehen. Drei Teilnehmer dürfen sich auf die Auswahl freuen.

 

Ich wünsche Ihnen allen viel Glück und natürlich ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreise der Menschen, die Ihnen wichtig sind.

 

Herzlichst, Ihre Anja Ollmert

GEWINNSPIEL-FORMULAR

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