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Auch alle E-Book-Leser können  "Das Feentuch" herunterladen.:  

Selbstverständlich gibt es mit der "Blick-ins-Buch-Funktion" eine Leseprobe. Also auf ins magische Schottland!

Aufrecht gehn, den Himmel sehn

Neben meinen Büchern, die durchweg in der Unterhal-tungslektüre ihren Platz haben, ist ein biblisches Musical für Kinder ab sechs Jahre in Chor-und Theatergruppen erschienen. In diesem Buch befinden sich Lieder, Sprechtexte und Notenmaterial für eine 30-minütige Aufführung.  In sechs Szenenbildern und ebenso vielen Liedern begegnen die Kinder Sarah, deren Blick auf den Boden gewandt ist und die an dieser Last schwer trägt. Und sie erfahren, was geschieht als Jesus in Sarahs Leben tritt... Das Buch im lese- und musikerfreund-lichen Großformat ist bei Amazon erhältlich.

2. Dezember

Die heilige Bibiana von Rom

 Die Le­ben­di­ge (la­tein.)

Jung­frau, Mär­ty­re­rin

* um 352 in Rom

† um 362 da­selbst

Zur Regierungszeit Kaiser Julians soll Bibiana als Tochter des Präfekten Flavianus in Rom gelebt haben. Die Eltern boten verfolgten Christen ihr Haus als Unterschlupf und starben deshalb unter der Folter. Bibiana und ihrer Schwester Demetria nahm man das Erbe und weil sie dem Christentum nicht abschworen, folterte man auch sie.

Folter und Hunger sorgten für den Tod Demetrias, Bibiana aber wurde vor dem Haus der Eltern an eine Säule gekettet und gegeißelt, bis sie starb.  Ihr Leichnam wurde von einem Priester bestattet. 

 

Für mich steht Bibiana sinnbildlich für alle, die zu ihrer Überzeugung stehen, ganz gleich, was sie dadurch erwartet. 

Auf in den Kampf

 

Bibi hörte durch die geschlossene Bürotür, wie eine ihrer Kolleginnen lauthals einer anderen Beleidigungen an den Kopf warf. Durch die Milchglasscheibe erahnte sie, wie Martina mit gesenktem Kopf vor Susanne stand. Und wie immer in solchen Situationen kam aus ihrem Mund keine Erwiderung. Sie ließ über sich ergehen, was die andere an Gemeinheiten ausgoß. Nicht einmal erhob sie ihre Stimme zur Gegenwehr. Und natürlich kam auch niemand, um sich einzumischen und selbst zur Zielscheibe für Susanne zu werden. Die führte hier eben das große Wort. Bibi, die erst vor vierzehn Tagen in dieser Abteilung ihre Arbeit aufgenommen hatte, hatte das schnell begriffen. 

 

Wie konnte man nur so mit einem anderen reden? So voller Missachtung und Gemeinheiten, dass es schon Unbeteiligten beim Zuhören weh tat? Bibi jedenfalls war von ihrer früheren Stelle einen anderen Umgangston und mehr Kollegialität gewohnt. Weil das Szenario heute genau vor ihrer Tür stattfand und kein Ende nahm, stand sie vom Schreibtisch auf und öffnete schwungvoll die Tür.

     "Martina, kommst du kurz rein?", mischte sie sich ein, ohne Susanne einen Blick zu gönnen. "Ich wollte etwas Wichtiges mit dir besprechen", dann trat sie zur Seite und machte Martina Platz, die zwar etwas verdutzt dreinsah, aber die Gelegenheit zur Flucht aus der Situation dankbar ergriff.  Bibi schloss Susanne die Tür vor der Nase, wohl wissend, dass sie der Kollegin damit einen willkommenen Fehdehandschuh hingeworfen hatte. 

     "Was wolltest du mit mir besprechen?", fragte Martina leise, die ihre  gebückte Haltung gegenüber anderen nur schwer ablegen konnte. 

     "Keine Ahnung, aber ich fand, du musst dir die unverschämte Art von Susanne nicht länger antun. Und da ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie ihren Monolog in meinem Büro fortführen wird, wollte ich dich aus der Schusslinie bringen. Mir stößt von Anfang an sauer auf, wie sie Kollegen behandelt. Da muss ich nicht warten, bis ich selbst an der Reihe bin, um etwas zu unternehmen." 

     "Aber dass du jetzt ihr neues Feindbild bist, ist dir schon klar, oder?" 

     "Hast du schon vergessen, dass ich die Neue bin? Ich wäre sowieso bald an der Reihe gewesen. Aber an mir wird Susanne sich die Zähne ausbeißen. Und nun lass uns unsere Arbeit machen. Ich glaube nicht, dass sie auf dem Flur steht und auf dich wartet. Dazu fehlt ihr die Geduld", zwinkerte Bibi Martina zu. "Mein Büro ist übrigens immer offen, wenn du aus der Schusslinie willst."

 

     Wie erwartet, ließ Susannes erste Gemeinheit nicht lange auf sich warten. In der Kaffeeküche am nächsten Morgen eröffnete sie das Gefecht, während sich dort die komplette Belegschaft versammelt hatte:

     "Oh, aus welchem Altkleidersack hast du denn deinen Kleiderschrank bestückt?", flötete Susanne, als Bibiana den Raum betrat und musterte sie von oben bis unten. 

     "Ach, ein kleiner Spaziergang auf der Kö hat gereicht. Die verkaufen sowas dort. Aber das ist vermutlich nicht dein Einzugsbereich und Stil ist übrigens nicht das Ende des Besens." Bibiana grinste und nahm sich eine Tasse aus dem Schrank. Hinter ihr herrschte gespannte Aufmerksamkeit, aber alle warteten vergebens auf eine Erwiderung. Susanne verließ schnaubend den Raum. Bibiana folgte ihr. Sie war schließlich zum Arbeiten hier und es würde nicht die letzte Unverschämtheit sein. Deshalb wollte sie sich wappnen, was als nächstes kam. 

In der Frühstückspause war es so weit.

     "Dass du dir so viele Kalorien erlaubst bei deiner missratenen Figur."

     "Schön und klug wollte ich sowieso nie sein."

Am Nachmittag ließ Susanne die Tür vor Bibis Nase zuschlagen. Bibi rief durch den Hausflur: "Danke dir. So hab ich wenigstens gemerkt, was ich oben vergessen habe..."

 

     Einige Wochen lang ging das so weiter. Bissige Sätze und schlagfertige Erwiderungen bestimmten Bibianas Alltag in der Abteilung. Susanne wurde nicht müde, auszuteilen, auch wenn sie immer wieder einstecken musste. Und Bibiana fiel der andauernde Zickenterror zwar schwer, aber sie würde nicht klein beigeben.  Alle anderen waren froh, dass jemand die Rolle der Zielscheibe so bereitwillig übernahm. Und wenn doch jemand in die Schusslinie geriet, rettete er sich mit einer fadenscheinigen Frage in Bibianas Büro. Kurz vor Weihnachten aber wurde Bibiana zum Abteilungsleiter gerufen. Ihre Probezeit näherte sich dem Ende und ein Personalentwicklungsgespräch war fällig.

     "Frau Bernsdorf, wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit und wie kommen Sie mit den Kollegen klar?" Der Abteilungsleiter fackelte nicht lange. 

     "Gut, die Arbeit macht Spaß und es fällt mir nicht schwer, mich in einem neuen Umfeld zurecht zu finden!" Mehr sagte Bibiana nicht. Das schien auch nicht nötig zu sein.

      "Mir ist aufgefallen, dass viele Kollegen Sie gerne um Rat fragen und ihre Bürotür immer offen ist, wenn sie Hilfe suchen."

     "Ja, das kann sein." Bibiana hatte nicht vor, zu erwähnen, was die anderen bei ihr wollten. Das war nicht ihre Aufgabe, wenn der Chef selbst keine Ahnung von den Vorkommnissen hatte. 

     "Sie sind erst ein paar Monate hier und haben schon begriffen, wie hier der Hase läuft. Haben Sie gewusst, dass mein Stellvertreter in Kürze die Abteilung verlassen wird?"

     "Ja, Herr Trammer hat davon berichtet. Er wird eine andere Abteilung übernehmen." 

     "Könnten Sie sich vorstellen, seine Aufgabe zu übernehmen?" Der Abteilungsleiter fragte gerade heraus und blickte sie aufmerksam an.

     "Ich als Ihre Stellvertreterin? Habe ich Zeit, darüber nachzudenken?"

     "Ich bin ein Mann schneller Entschlüsse und das begrüße ich auch bei meinen Mitarbeitern. Ich würde heute Mittag gerne bekanntgeben, wer der Nachfolger von Herrn Trammer wird. Und neben Ihnen gibt es eine weitere Interessentin, die allerdings schon länger in der Abteilung arbeitet. Aber meine erste Wahl ist auf Sie gefallen." Bibiana sah ihn offen an und antwortete ohne lange nachzudenken:

     "Ja, ich kann es mir vorstellen, wenn Sie es sich vorstellen können!"

     "Gut, dann sind wir uns einig. Interessiert Sie gar nicht, welche finanziellen Bedingungen damit verknüpft sind?"

     "Ich komme jetzt schon ganz gut zurecht, aber natürlich habe ich nichts gegen ein paar Cent mehr im Portemonnaie."

     "Und ein wenig mehr Arbeit und Verantwortung auf Ihrem Schreibtisch auch nicht?"

     "Ich glaube, dass kriege ich hin!", lächelte Bibiana.

Am Mittag kündigte der Abteilungsleiter die veränderte Personalsituation im Konferenzraum an. Die Kollegen applaudierten frenetisch. Susanne wandte sich ab und verließ den Raum. Am nächsten Tag landete ihre Kündigung auf dem Schreibtisch des Chefs. Hier würde sie keiner mehr ernst nehmen. Bibiana hingegen hatte durch ihre zugewandte Art eine Schlacht gewonnen, die sie nicht selbst eröffnet hatte. 

 

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Kommentare: 3
  • #3

    Geli (Montag, 02 Dezember 2019 22:05)

    Christen starben unter der Folter... Würde heute ein Christ so etwas auf sich nehmen?

    So eine Geschichte passiert täglich. Sie hatte einen guten Ausgang, was nicht immer passiert. Mobbing wird es immer geben. Man darf sich nicht immer alles gefallen lassen, was leichter gesagt als getan ist.
    Gute Geschichte LG Geli

  • #2

    Enya (Montag, 02 Dezember 2019 09:07)

    Eine gute Geschichte, so, wie sie heutzutage auch passieren könnte. Immer wieder geschieht es doch, dass Menschen sich derart über andere erheben und ihnen das Leben schwer machen. Nicht immer (viel zu selten) erlebt man es dann, dass Mitmenschen Zivilcourage zeigen und sich einmischen.
    Bibianas Geschichte regt zum Nachdenken an und macht auch Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen.

    Interessant wieder der Abriss über die heilige Bibiana von Rom. Es ist bewundernswert, was Menschen eertragen haben, indem sie fest zu ihrer Überzeugung gestanden sind.

    Hat mir sehr gut gefallen. Danke
    Enya

  • #1

    Johanna (Montag, 02 Dezember 2019 08:37)

    Ein schöner Text, der zeigt dass man sich nicht alles im Leben gefallen lassen muss und das Gute auch mal siegt.